nähe auf distanzBerlin/DE

ORT / LOCATION

AUFGABE / OBJECTIVE

AUSLOBER / ORGANIZER

FLÄCHE / AREA

LEISTUNGEN / SERVICES

DAUER / DURATION

PREISE / AWARDS

Harzer Straße 115-117

D-12435 Berlin

Deutschland / Germany

100 Wohnungen geladener Wettbewerb / 100 apartments invited competition

DPF Wohnungsbaugenossenschaft

Gundelfingerstrasse 8a

D-10318 Berlin

ca.7.500 m²

Wettbewerb / Competition

06/16 - 09/17

2. Platz / 2nd place

The development of our concept nähe auf distanz for the Harzer Straße in Berlin took place by invitation of the DPF Cooperative. The plan is for 100 new apartments to serve as a contemporary addition to the already existing, directly adjacent cooperative buildings. Especially older cooperative residents should be able to move from the existing buildings, which do not have a lift, to the new barrier-free houses. In former times the Berlin Wall was also situated on the property, a circumstance that sensitively had to be taken into account in the designs.
In terms of urban planning, one of the new buildings is positioned as an extension of the already existing buildings to complete the new residential area as an overall concept. The apparent closing to the Harzer Straße is revoked by a large public portal. An interplay, which should enable a conscious perception of the area in its entirety and togetherness. Also because the inner courtyard following the portal feels like a small town square, which structurally connects old and new parts. On the ground floor, there is also generous space for shared use, which blends with wooden outdoor seating to create a large communal »living room of the area«. Open spaces adjacent to the staircase and the arcades are intended as a meeting point and as a possibility to establish new connections between the residents in the midst of random everyday life.
The draft carefully considers the former path of the Berlin Wall through the property. The parallel design and lighting of the open space trace the course of the wall. This deliberately set empty space with the character of an »omission« opens up the entire area, without wanting to brutally overbuild the fractures and fracture lines of the past. Parts of the façade with their concrete slabs set at different distances, also reminisce the concrete materiality of the wall and symbolize, so to speak, the optimism that the material of separation in the course of history can always become a substance of connection, communality, and togetherness.

Die Entwicklung unseres Konzepts nähe auf distanz für das »Mauergrundstück« in der Berliner Harzer Straße erfolgte auf Einladung der DPF Genossenschaft. Vorgesehen sind 100 neue Wohnungen, die als zeitgemäße Ergänzung der bereits vorhandenen, unmittelbar angrenzenden Genossenschaftsbauten dienen sollen. Nicht zuletzt ältere Genossenschaftsbewohner sollen aus den bestehenden Gebäuden, die über keinen Lift verfügen, auf die neuen barrierefreien Häuser ausweichen können. Auf dem neu zu bebauenden Grundstück verlief einst auch die Berliner Mauer, ein Umstand, der sensibel in den Entwürfen zu berücksichtigen war. 
Städtebaulich sieht unser Konzept mit einem der beiden Hauptkörper eine straßenseitige Verlängerung vor, die das neue Wohnquartier konsequent abrunden soll. Die scheinbare Schließung zur Harzer Straße hin wird durch ein großes öffentliches Portal wieder aufgehoben. Ein Wechselspiel, das eine bewusste Wahrnehmung des Areals in seiner Gesamtheit und Zusammengehörigkeit ermöglichen soll. Auch weil der auf das Portal folgende Innenhof wie ein kleiner Stadtplatz zu verstehen ist, der Alt- und Neubestand nicht zentral aber strukturell miteinander verknüpft. Im Erdgeschoss ist hier auch großzügig Freiraum zur gemeinschaftlichen Nutzung eingeplant, der sich mit Sitzgelegenheiten im Freien fließend zu einem großen gemeinschaftlichen »Wohnzimmer des Quartiers« verbindet. Freiflächen im Anschluss an das Stiegenhaus und die Laubengänge sind als Meeting Point gedacht und als Möglichkeit mitten im zufälligen Alltag immer wieder neue Verbindungen zwischen den Bewohnern zu knüpfen.
Umsichtig bedacht ist im Entwurf der ehemalige Verlauf der Berliner Mauer durch das Grundstück. Die Gestaltung und Beleuchtung des offenen Raums deuten in ihrer Parallelität auf den ehemaligen Mauerverlauf hin. Diese bewusst gesetzte Leerstelle mit dem Charakter einer »Auslassung« öffnet hoffnungsvoll das Gesamtareal, ohne die Brüche und Bruchlinien des Vergangenen brachial überbauen zu wollen. Teile der Fassade wiederum reminiszieren mit ihren in unterschiedlichen Abständen gesetzten Betonplatten auch die konkrete Materialität der Mauer und symbolisieren gewissermaßen den Optimismus, dass aus dem Stoff der Trennung im Verlauf der Geschichte immer auch noch ein Stoff der Verbindung, der Gemeinschaftlichkeit und des Miteinander werden kann.

© 2019 by TAFKAOO Architects